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Vereine ins Rampenlicht - OGV Ottersdorf im Badischen Tagblatt


Was unterscheidet ein Sandarium von einem Insektenhotel? Insektenhotels hängen in vielen Gärten und Balkonen als Nisthilfen für Insekten und Wildbienen, doch die Mehrzahl der 460 Wildbienenarten sind Erdnister. Ein Sandarium ist eine angelegte Sandfläche an einem sonnigen Standort. Unter der fachkundigen Anleitung von Michael Tropf vom Obst- und Gartenbauverein (OGV) Ottersdorf halfen die Vorschulkinder der Kita Riedwiesen ein Sandarium aus Mauersand zu bauen, wo Wildbienen nun Niströhren in den Boden graben können.

Sandarium bietet Wildbienen Nistmöglichkeiten im Boden

Seit dem Frühsommer befindet sich das mit mediterranen Kräutern versetzte runde Beet seitlich am Obstlehrpfad des OGV hinter der Schulsportanlage. Wildbienen haben eine entscheidende Funktion in unserem Ökosystem. Sie bestäuben zahlreiche Wild- und Kulturpflanzen und unterstützen die Artenvielfalt. Je mehr Nistplätze zur Verfügung stehen, umso zahlreicher können die Populationen werden.

Für den Vorsitzenden des OGV, Pascal Uhrig, sind alle Wildbienen und Insekten willkommene Helfer: „Unser Vereinsbestreben ist es, die Streuobstwiesen zu erhalten und unsere Kulturlandschaft zu pflegen.“

Das angestaubte Image der Obst- und Gartenbauvereine hat in den letzten Jahren deutschlandweit einen positiven Wandel erfahren. Pandemie, Klimakrise und der Wunsch sich aus dem eigenen Garten versorgen zu können, haben viele jüngere Menschen in die Vereine gebracht.

Das Durchschnittsalter der elfköpfigen Vorstandschaft des OGV Ottersdorf liegt bei 40 Jahren.


Obstbäume bildeten Beitrag zur Sicherung von Grund-nahrungsmitteln


Die Geschichte des Obstanbaus in Ottersdorf begann im Jahr 1780 als Markgraf Friedrich von Baden (1728-1811) im Rahmen eines Generalobstplans Ottersdorf und anderen Gemeinden jeweils 200 Obstbäume schenkte. Dies war nicht nur ein Beitrag zur Sicherung von Grundnahrungsmitteln, sondern legte auch den Grundstock für den heimischen Obstanbau und den Streuobstwiesen in der Region.

Ob die „Badische Weinbirne“ oder der Apfel „Ottersdorfer Tiefbutzer“, hunderte Kern- und Steinobstsorten sowie Beerensträucher und Blühstreifen säumen den gepflegten Obstlehrpfad, der wie eine Visitenkarte des Vereins wirkt.

Der Regen der vergangenen Wochen hat den Bäumen gutgetan, sagen die Vereinsmit-glieder bei der Begehung. Während der Trockenheit der letzten Jahre war es eine Herausforderung, die jungen Obstbäume mit genügend Wasser zu versorgen.

Aufmerksam und umsichtig werden die Bäume begutachtet, nicht jeder wächst wie gewünscht. Steinobstbäume fühlen sich auf Lehmböden mit hohem Sandanteil wohl, während Kernobstbäume nährstoffreiche Böden favorisieren.

Die Pflege und der richtige Schnitt brauchen viel Fingerspitzengefühl, erklärt der stellvertretende Vorsitzende, der 41-jährige Timo Stolzer. Er gehört zu den 16 Vereins-mitgliedern, die vom Landratsamt zu Baumwarten ausgebildet wurden. Sie sind nun spezialisiert auf den Erhalt, den fachgerechten Schnitt und die Veredelung von Obstbäumen und Obstgehölzen.

Der zweisprachige Obstlehrpfad ist Teil des grenzüberschneidenden Pamina-Rheinpark-Projekts

1997 wurde der 2,2 Kilometer lange Obstlehrpfad im Zuge des grenzüberschreitenden Pamina-Rheinpark-Projekts ins Leben gerufen.

Vor jeder Baumsorte steht eine Betonstehle mit einer zweisprachigen Infotafel. Auf Deutsch und Französisch erfährt der interessierte Spaziergänger den Namen, die Herkunft und die Pflege des Baums.

Der 70-jährige Francis Moog, Elsässer aus Scheibenhardt, wohnt seit 1972 in Ottersdorf und ist immer noch Kopf und Seele des Vereins. Er hatte bis 2022 den Vereinsvorsitz inne und ist inzwischen der Ehrenvorsitzende.

Auf seine Initiative geht der Obstlehrpfad zurück. Moog ist immer auf der Suche nach alten Fruchtsorten, um sie wieder zu kultivieren. Sein breites Fachwissen ist für den Verein ein wertvoller Gewinn.

Diese Früchte haben einen viel intensiveren Geschmack als das makellose Norm-Obst aus dem Supermarkt Francis Moog Ehrenvorsitzender

Die Obstbäume wachsen versetzt auf den Streuobstwiesen, der Anbau und die Ernte sind zeitaufwendiger. „Aber diese Früchte haben einen viel intensiveren Geschmack als das makellose Norm-Obst aus dem Supermarkt“, so Moog, „die Bedeutung der Streuobstwiesen als Genreservoir ist nicht zu unterschätzen.“

Der OGV ist eine feste Größe im Dorfleben und der Zusammenhalt ist groß. Viele der jüngeren Mitglieder kamen über familiäre Beziehungen zum Verein. Über eine WhatsApp-Gruppe werden Arbeiten organisiert und terminiert. Mehrmals im Jahr bietet der Verein kostenlose Schnittkurse und Führungen auf dem Obstlehrpfad an. Die Resonanz ist sehr gut, freut sich Uhrig.

Verein will Wissen über den Obstanbau und Streuobstwiesen weiter geben

„Unser Ziel ist es, das Wissen um den Obstanbau und die Streuobstwiesen durch Information, Beratung und Anleitung zur Pflege weiterzugeben.“

Das nächste Projekt steht bereits für Ende August an. Auf einem Grünstreifen neben dem Verkehrsübungsplatz wird eine Vereinshütte für die Gerätschaften gebaut, die auch für geselliges Zusammensein nutzbar sein soll.

Das wird größtenteils über Eigenleistungen, Rücklagen und Spenden gestemmt. „Ohne das tatkräftige Engagement unserer Mitglieder wäre das nicht möglich“, betonen Uhrig und Stolzer. Auf die kommende Einweihungsfeier freuen sich alle.


Quelle: Badisches Tagblatt vom 22.08.2023

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